Forschungsschwerpunkte von Univ.-Prof. Dr. phil. Thomas Niehr

Forschungsschwerpunkte

Argumentationsanalyse

Insbesondere seit den 70-er Jahren, hat sich eine neue Auffassung von Argumentation in der Linguistik durchgesetzt. Dies hängt ursächlich damit zusammen, dass man sich zum Ziel gesetzt hatte, auch Alltags-Argumentationen zu analysieren. In solchen Alltags-Argumentationen aber werden offensichtlich nicht die aus der klassischen Logik bekannten Schlussverfahren verwendet. Die Linguistik hat in den letzten Jahrzehnten eine Reihe interessanter Ansätze entwickelt, die es erlauben, solche Argumentationen, mit denen wir alle täglich konfrontiert werden (Kommentare in Medien, Streitgespräche, Debattenbeiträge etc.) auf ihre häufig impliziten Voraussetzungen und ihre „Schlüssigkeit“ hin zu untersuchen.

Diskursanalyse

Die Diskursanalyse ist eine neuere Forschungsrichtung, die versucht, einigen speziellen Unzulänglichkeiten der traditionellen Begriffsgeschichte methodisch zu begegnen. Anhand von thematisch zusammengehörigen repräsentativen Text- bzw. Aussagenkorpora versucht die linguistische Diskursanalyse beispielsweise, neue Wege zu einer soziopragmatischen Sprachgeschichtsschreibung zu finden. Auch die linguistische Mentalitätsgeschichte gehört in diesen Kontext. Die Diskursforschung nimmt dabei die wechselseitige Beeinflussung von Sprach- und „Sachgeschichte“ in den Blick, um Sprache als ein soziales Phänomen analysieren zu können. Methodisch bedient sich die Diskursanalyse aus dem großen Reservoir linguistischer Methoden, die – je nach Fragestellung – prinzipiell fast alle für die Erforschung eines Diskurses von Interesse sein können.

Öffentlicher Sprachgebrauch

Öffentlicher Sprachgebrauch oder auch öffentlicher Diskurs wird verstanden als Konsensbildungs-Verfahren, in dem sich prinzipiell alle Gesellschaftsmitglieder über die praktische Frage der gemeinsamen Lebensgestaltung einigen. Alle Texte – wobei hier nicht nur gedruckte Texte gemeint sind –, die thematisch zu diesem Diskurs gehören, können prinzipiell zur Erforschung des öffentlichen Sprachgebrauchs herangezogen werden. Denken kann man hier beispielsweise an Zeitungstexte, Parteiprogramme, Bundestagsdebatten, Texte im Internet, Flugblätter, Broschüren oder auch Radio- und TV-Beiträge zu öffentlich relevanten Themen.

Obwohl die öffentliche Kommunikation nicht allein aus politischem Sprachgebrauch besteht, ist die Erforschung von politischer Kommunikation sicherlich ein prominentes Beispiel für diesen Forschungsbereich.

Eine Vielzahl von linguistischen Methoden kommt bei der Erforschung des öffentlichen Sprachgebrauchs zum Einsatz, etwa Argumentationsanalyse, linguistische Diskursforschung, Textlinguistik, Semantik usw.

Sprachkritik

Eine zentrale Funktion menschlicher Sprache ist es, Sprache und Sprachgebrauch zu reflektieren. Diese Funktion nennt man metasprachliche Funktion. Ist Metasprache mit einer positiven oder negativen Wertung verbunden, spricht man von Sprachkritik.

Das Phänomen der Sprachkritik hat in Deutschland eine lange Tradition. Insbesondere auch in nichtwissenschaftlichen Kontexten werden Sprache und Sprachgebrauch immer wieder öffentlich kritisch bewertet. Die zugrunde liegenden Bewertungskriterien werden dabei jedoch selten explizit gemacht.

Hier setzt die linguistische Forschung an. Sie ist darauf ausgerichtet, Sprachkritik nicht der Beliebigkeit auszusetzen. Eine zentrale sprachwissenschaftliche Aufgabe besteht deshalb darin, Maßstäbe für die Bewertung von Sprache mittels linguistisch fundierter Kriterien zu entwickeln.

Aktuelle Meldungen


Montag, 28. Januar 2019

Forschungsfreisemester von Prof. Niehr

Prof. Dr. Thomas Niehr hat im Sommersemester 2019 ein Forschungsfreisemester und wird daher keine regulären Lehrveranstaltungen anbieten.[weiterlesen]

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