Das Projekt 'Anthropologische Universalien – Kulturelle Differenzen' untersucht am Beispiel des Deutschen und des Japanischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der kognitiven Verarbeitung von Schriftsystemen unterschiedlichen Schrifttyps.

Das Problem: Entsprechen den Unterschieden in der internen Organisation dieser Schriften solche der Verarbeitung? Mit dem Deutschen und dem Japanischen vergleicht man hier Extreme: eine alphabetische Schrift einerseits und einen gemischten Schrifttyp andererseits, der morphographische Zeichen chinesischer Herkunft (die Kanji) mit zwei reinjapanischen, meist als Silbenschriften bezeichneten Registern (Hiragana und Katakana) verbindet. Dieses Projekt konzentriert sich auf die Kanji.

Die interdisziplinäre Anlage des Projekts brachte durchaus Verständnisschwierigkeiten zwischen geistes- und naturwissenschaftlichen Denkweisen mit sich. Zumeist ergaben sie sich aus disziplinären Begrifflichkeiten. Demgegenüber verstärkt die interdisziplinäre Ausrichtung die Strukturierung der Teilprojekte: Sie zwingt die geisteswissenschaftliche Theoriebildung zur Operationalisierung ihrer Begriffe, umgekehrt erweist sich etwa das technische Problem der Stimuluserstellung als schrifttheoretisch interpretationsbedürftig – z.B. zwingt es zur Präzisierung des Wortbegriffs im Japanischen und zu Überlegungen zum Status orthotaktischer Beschreibungskategorien. Solche Wechselwirkungen zwischen Theorie und Empirie haben im Projekt in mehrfacher Hinsicht zu innovativen Ansätzen geführt:

Damit ist klar, dass das universale Phänomen Schrift deutliche kulturelle Differenzen erzeugt – die bisher nur kulturwissenschaftlich vorgebrachte Kritik am sogenannten Alphabet-Zentrismus erfährt hier erstmals eine empirische Untermauerung. Die Reihe der Anwendungsbereiche kann hier nur angedeutet werden: Mittels schriftsystemvergleichender Untersuchungen lässt sich ein detaillierteres Bild von Leseprozessen erstellen. Die betreffenden Theorien und Lesemodelle müssen verifiziert und ergänzt werden. Anwendungsbereiche sind die Lese- und Schreibdidaktik ebenso wie die Aphasie- und Dyslexieforschung und damit der gesamte Bereich der Literalisierung.

Näheres über das Projekt erfahren Sie hier.

Aktuelle Meldungen


Montag, 28. Januar 2019

Forschungsfreisemester von Prof. Niehr

Prof. Dr. Thomas Niehr hat im Sommersemester 2019 ein Forschungsfreisemester und wird daher keine regulären Lehrveranstaltungen anbieten.[weiterlesen]

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